Studien und Reports

 

Krankenhaus Rating Report 2021: Mit Wucht in die Zukunft katapultiert

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2019 weiter verschlechtert. 13 Prozent lagen im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Auch ihre Jahresergebnisse sind gesunken, 33 Prozent der Kliniken schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust. Im Jahr 2020 dürften die Ausgleichszahlungen für die Einnahmeausfälle der Krankenhäuser während der COVID-19-Pandemie zu einem positiven Netto-Effekt führen. Ab 2022 könnte sich die Lage jedoch deutlich verschlechtern. Zu diesen und vielen weiteren Ergebnissen kommt die siebzehnte Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2021 – Medizin und Gesundheit“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Er wurde gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der HIMSS erstellt.

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Status quo

  • Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2019 erneut verschlechtert13 Prozent der Krankenhäuser befanden sich im „roten Bereich“ erhöhter Insolvenzgefahr, 27 Prozent im „gelben“ und 60 Prozent im „grünen Bereich“. Im Jahr zuvor lagen noch 63 Prozent im „grünen Bereich“. Die Ertragslage hat sich 2019 ebenfalls leicht verschlechtert: 33 Prozent der Krankenhäuser schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, 2018 waren es 31 Prozent. Im Jahr 2019 betrug das durchschnittliche Jahresergebnis 0,8 Prozent der Erlöse, im Jahr 2016 waren es noch 2,2 Prozent.
  • Ausschlaggebend für die schlechte wirtschaftliche Lage dürfte die seit 2017 anhaltende Stagnation der Leistungsmenge gewesen sein. Aufgrund der COVID-19-Pandemie sank im Jahr 2020 die stationäre Fallzahl zudem um dramatische 13 Prozent, in den ersten Monaten der Pandemie vorübergehend sogar um 30 Prozent. Im Jahr 2020 waren 2 Prozent aller Betten und 4 Prozent aller Intensivbetten durch COVID-19-Patienten belegt. Auch im Jahr 2021 dürfte die Ausnahmesituation mit deutlich geringerer Leistungsmenge als 2019 bestehen bleiben.
  • Insgesamt wurden 2020 rund 10,2 Milliarden Euro für die Einnahmeausfälle der Krankenhäuser in Form von Ausgleichszahlungen ausgezahlt. Die Ausgleichszahlungen lagen in der Summe höher als die durch die Leistungsreduktion hervorgerufenen Mindererlöse der Krankenhäuser, sodass die Erlöse 2020 bei den somatischen Krankenhäusern durchschnittlich um etwa 3,7 Prozent und bei psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken durchschnittlich um etwa 10,6 Prozent zugenommen haben. Entsprechend dürfte sich die wirtschaftliche Lage der Kliniken 2020 kurzzeitig verbessern und 73 Prozent im „grünen“ sowie 9 Prozent im „roten“ Bereich liegen.
  • Die Auslagerung der Pflegepersonalkosten ab dem Jahr 2020 führte schon 2019 zu einem erheblichen Aufbau des Pflegediensts in den Krankenhäusern und gleichzeitig zu einem Abbau des Funktionsdiensts. Außerdem sind Wanderungsbewegungen von der Alten- in die Krankenpflege zu beobachten. Der erwartete starke Sogeffekt des Pflegebudgets zeigt sich demnach schon. Auch der Wettbewerb um die Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt nimmt zu. Schon vor 2019 war die Fluktuation des Pflegepersonals gestiegen.
  • Im Krankenhausbereich und im vertragsärztlichen Bereich arbeiten immer mehr Ärzte, allerdings sind sie zunehmend in Teilzeit tätig. Im vertragsärztlichen Bereich stieg der Teilzeit-Anteil von 8 Prozent im Jahr 2009 auf 38 Prozent im Jahr 2020. Daher ist hier umgerechnet die Zahl der Vollkräfte zwischen 2009 und 2020 konstant geblieben. Überdies arbeiten immer mehr ambulant tätige Ärzte in einem Angestelltenverhältnis. Im Jahr 2008 waren es 6 Prozent, im Jahr 2020 schon 24 Prozent.
  • Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine. Dabei erreichen Krankenhäuser mit einer Bettenzahl zwischen 600 und 900 bzw. mit Umsatzerlösen zwischen 140 und 190 Millionen Euro die beste Ertragslage – ausgenommen Fachkliniken. Ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating ebenso positiv wie die Zugehörigkeit zu einer Kette. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schneiden im Allgemeinen beim Rating und der Ertragslage deutlich besser ab als öffentlich-rechtliche Kliniken.
  • Regional fällt das Rating am schlechtesten in Baden-Württemberg und Niedersachsen/Bremen aus, signifikant besser in Ost-Deutschland.

 Investitionen

  • Die Fördermittel nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) beliefen sich im Jahr 2019 auf 3,16 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr lagen sie damit um 3,8 Prozent höher, sind im langfristigen Trend aber geschrumpft. Bezogen auf die Krankenhauserlöse beliefen sie sich im Jahr 2019 auf nur 3,5 Prozent (1991: rund 10 Prozent). Zum Erhalt der Unternehmenssubstanz sollten jährlich 7 bis 8 Prozent der Erlöse in Investitionen fließen. Der jährliche förderfähige Investitionsbedarf der Plankrankenhäuser zum Substanzerhalt liegt bei mindestens 5,5 Milliarden Euro, zuzüglich Universitätskliniken bei 6,3 Milliarden Euro. Krankenhäuser schließen diese Lücke teilweise aus eigener Kraft, was ihnen aufgrund der sich verschlechternden Ertragslage, aber auch der Ausgliederung von zweckgebundenen Pflegebudgets inzwischen weniger gut gelingt.

Projektion und Zielbild

  • In einem Basisszenario wird der Status quo des Jahres 2019 unter Berücksichtigung der Erkenntnisse während der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 sowie der demografischen Entwicklung und bereits beschlossener Gesetzesänderungen bis 2030 fortgeschrieben. Annahme ist eine Rückkehr zum Vor-Krisen-Niveau im Jahr 2022 und eine Zunahme der Fallzahl in Höhe von 4 Prozent gegenüber 2019 bis zum Jahr 2030. In diesem Szenario würde der Anteil der Krankenhäuser im „roten“ Rating-Bereich bis 2030 auf 26 Prozent und der Anteil der Häuser mit einem Jahresverlust auf 34 Prozent wachsen.
  • In einem Szenario „Neustart“ wird angenommen, dass das Leistungsvolumen nicht mehr das Vorkrisenniveau von 2019 erreichen wird, sondern auf dem Niveau von 2021 stagniert und bis 2030 nur noch marginal ansteigt, sodass die stationäre Fallzahl im Jahr 2030 rund 6 Prozent unter dem Niveau von 2019 liegt. Kombiniert mit einer weiter sinkenden Verweildauer würde die Auslastung der stationären Kapazitäten infolgedessen stark sinken. In diesem Szenario würde sich die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser dramatisch verschlechtern. Nahezu drei Viertel der Häuser schrieben dann bereits ab 2022 Verluste und bis 2030 betrüge das durchschnittliche Jahresergebnis -10 Prozent. Bei kontinuierlichen Struktur- und Prozessoptimierungen sowie einer Anpassung der Krankenhauskapazitäten an das neue niedrigere Leistungsniveau könnte sich die Lage bis 2030 dagegen wieder etwa auf dem Niveau von 2019 stabilisieren.
  • Zielbild. Im „Krankenhaus Rating Report 2021“ wird ein Zielbild einer modernen Gesundheitsversorgung erarbeitet, das als Richtschnur für die 2020er-Jahre dienen kann. In diesem Zielbild wird die Gesundheitsversorgung ganzheitlich gedacht, von präventiven bis zu kurativen Angeboten und von sehr einfachen bis zu hochkomplexen Spezialangeboten:
    - In der elektronischen Patientenakte (ePA) werden alle Gesundheitsdaten des Patienten hinterlegt.
    - Ein „dezentraler Kümmerer“ agiert als individueller Ansprechpartner für Patienten in allen Gesundheitsfragen und als Koordinator von Diensten. Diese Aufgabe eines „Case Managers“ wird von Hausärzten und Pflegeexperten gemeinsam wahrgenommen. Sie organisieren die individuelle Gesundheitsversorgung vor Ort und arbeiten nach dem Vorbild der Gesundheitszentren in Finnland in größeren Zentren zusammen.
    - Die Rolle des Krankenhauses ändert sich: Kleine Krankenhäuser der Grundversorgung können in ein solches Zentrum integriert werden. Auf der Landkreisebene übernimmt ein großes Krankenhaus als Regionalversorger für die Organisation der regionalen Gesundheitsversorgung Verantwortung. Maximalversorger engagieren sich in der überregionalen Versorgung.
    - Es gibt eine sektorenübergreifende Versorgungsplanung nach bundeseinheitlichen Kriterien und sektorenübergreifende Vergütungselemente.
    - Auf der lokalen Ebene wird große Gestaltungsfreiheit gewährt, um innovative Versorgungsmodelle erproben zu können.
    - Die Bevölkerung in ländlichen Gebieten ist an die Gesundheitsangebote durch flexible und effiziente Mobilitätsangebote angebunden, umgekehrt gelangt das Angebot beispielsweise über mobile Gesundheitsexperten mit telemedizinischer Anbindung an ein Gesundheitszentrum zu den Menschen.

Handlungsempfehlungen auf Basis des Zielbilds

  • Krankenhausversorgung. Innerhalb von Versorgungsregionen ist eine enge Koordination der Angebote nötig. Wo immer möglich, sollten sich Träger innerhalb der Region zusammenschließen oder zumindest trägerübergreifend kooperieren.
  • Ambulante und sektorenübergreifende Versorgung. Ambulante und Integrierte Gesundheitszentren sollten für die primärärztliche und fachärztliche Versorgung etabliert werden. In den meisten Regionen finden sich Krankenhäuser, die sich aufgrund ihrer Größe und Lage als Teil eines „Integrierten Gesundheitszentrums“ (IGZ) eignen könnten. Dazu sollten Hürden für die Übernahme von ambulanten Leistungen durch Krankenhäuser abgebaut werden.
  • Rettungswesen. Je stärker zentralisiert eine Krankenhausstruktur ist, desto mehr muss das Rettungswesen digitalisiert sein. Jeder Rettungswagen benötigt eine telemedizinische Anbindung zum Krankenhaus, und es müssen bereits erste wichtige Schritte durch den Notarzt oder entsprechend ausgebildete Rettungssanitäter unternommen werden.
  • Altenhilfe. Die Altenpflege muss enger mit der medizinischen Versorgung verknüpft werden. Nötig ist ein nahtloser Übergang vom Krankenhausaufenthalt zur Kurzzeitpflege. Ein IGZ oder ein Krankenhaus sollte zu diesem Zweck entsprechende Verträge mit der Pflegeversicherung schließen können. Auch das Prinzip „Reha vor Pflege“ sollte stärker gelebt werden.
  • Mobilität und Nähe. Ein wichtiger Baustein der ländlichen Versorgung sind mobile Gesundheits- und Pflegeexperten mit telemedizinischer Anbindung an ein Gesundheitszentrum oder ein Krankenhaus.
  • Digitalisierung. Die Versorgung sollte nach dem Grundsatz „digital vor ambulant vor stationär“ gestaltet werden. Zentrale Voraussetzung dafür ist die elektronische Patientenakte (ePA)Vorbild dafür könnte die ePA aus Estland sein, die auf paternalistische Voreinstellungen seitens Dritter weitgehend verzichtet und dem einzelnen Bürger eine große Autonomie zugesteht. Da Estland Mitglied der Europäischen Union ist, ist die dortige ePA konform zur Datenschutzgrundverordnung und sollte demnach auch in Deutschland zulässig sein.
  • Personal. Es werden Anreize zur Erhöhung der Erwerbstätigenquote benötigt. Dabei ist einer der größten Hebel das Anheben der Teilzeitquote, weil in Teilzeit tätige Fachkräfte bereits voll ausgebildet und einsatzfähig sind. In der Pflege sind ein neues Verständnis des Pflegeberufs und Karriereoptionen nötig, wie etwa „Clinical Nurses“ mit der Übernahme von mehr Verantwortung und Tätigkeiten, die bislang ausschließlich Ärzten vorbehalten sind. Ergänzend sollte die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte gefördert werden.
  • Gestaltungsfreiheit. Auf regionaler Ebene ist angezeigt, mehr Gestaltungsfreiheit zu gewähren, um die Versorgung effizienter gestalten und patientenorientierter erbringen zu können.

„Der Anteil der von Insolvenz bedrohten Kliniken wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen“, sagt RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky. „Sektorenübergreifende Versorgung und Digitalisierung sind wichtige Bausteine, um die Situation von Kliniken und Patienten zu verbessern“, so Augurzky. „Voraussetzung für alle digitalen Anbindungen ist jedoch eine Standardisierung der Daten und Schnittstellen“, ergänzt Sebastian Krolop (HIMSS, Healthcare Information and Management Systems Society).

Datengrundlage des „Krankenhaus Rating Report 2021“ sind 550 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2018 und 547 aus dem Jahr 2019. Sie umfassen insgesamt 951 Krankenhäuser. Für das Jahr 2020 lagen noch keine Jahresabschlüsse in ausreichender Zahl vor. Der Report wird gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der HIMSS erstellt.

 

Richtungspapier Corona

Nach der ersten Welle der Corona-Pandemie in Deutschland ist es Zeit, die bisherigen Erfahrungen auszuwerten und mögliche Ableitungen bzw. Lehren nicht nur für die aktuelle Lage, sondern auch für die Zukunft zu formulieren. Nach dem Motto „lessons learned“ beleuchtet das vorliegende Richtungspapier ausgewählte, konkrete Reformperspektiven. Begleitet wurde die Veröffentlichung durch einen Expertentalk, der live auf YouTube übertragen wurde und nun on demand zur Verfügung steht.

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Krankenhaus Rating Report 2020: Wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich weiter verschlechtert

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2018 erneut verschlechtert. 13 Prozent lagen im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Auch ihre Erträge sind gesunken, wohl auch aufgrund der weiter gesunkenen Anzahl stationärer Fälle. In diesem Jahr könnten die verschiedenen Stützungsmaßnahmen aus dem COVID-19-Gesetz zwar wohl zu einem positiven Netto-Effekt für die Kliniken führen, der jedoch im Jahr 2021 voraussichtlich größtenteils wieder entfällt. Zu diesen und vielen weiteren Ergebnissen kommt die sechzehnte Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2020 – Medizin und Gesundheit“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Er wurde gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der HIMSS erstellt.

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Status quo

  • Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2018 weiter verschlechtert. 13 Prozent der Krankenhäuser befanden sich im „roten Bereich“ erhöhter Insolvenzgefahr, 64 Prozent im „grünen Bereich“. Im Jahr zuvor lagen noch 11 Prozent im „roten Bereich“. Die Ertragslage hat sich 2018 ebenfalls verschlechtert: 29 Prozent der Krankenhäuser schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, 2017 waren es noch 27 Prozent. 
  • Ausschlaggebend für die schlechtere wirtschaftliche Lage dürfte u.a. der erneute Rückgang der stationären Fallzahl im Jahr 2018 um 0,1 Prozent gewesen sein. Gründe hierfür könnten der zunehmende Fachkräftemangel und intensivere Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) sein, verbunden mit einer zunehmenden Ambulantisierung der Medizin. Im Jahr 2019 ist mit einer weiteren Reduktion der stationären Fallzahl zu rechnen.
  • Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine, ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating und die Patientenzufriedenheit positiv. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schneiden durchschnittlich besser ab als kommunale Kliniken.
  • Regional fällt das Rating am schlechtesten in Baden-Württemberg, Hessen und Bayern aus, signifikant besser in Ost-Deutschland.
  • Die Krankenhausstrukturen haben sich dynamisch weiterentwickelt. Viele Landkreise befassen sich inzwischen intensiv mit der Frage, wie sie eine nachhaltig stabile Struktur schaffen und dabei die flächendeckende Grundversorgung gewährleisten können. Vielfach wird im Zentrum einer Region eine leistungsfähige moderne Medizin mit hoher Qualität für die Bevölkerung angeboten und gleichzeitig die Peripherie durch solide ambulante und telemedizinische Angebote an das Zentrum angedockt. Gleichwohl zeigt eine Sonderanalyse, dass schätzungsweise 40 Prozent der Landkreise instabile Krankenhausstrukturen aufweisen und sie damit in den kommenden Jahren Handlungsbedarf haben.
  • Auch im vertragsärztlichen Bereich gibt es große Veränderungen. Zwar arbeiten dort immer mehr Ärzte, allerdings hat der Anteil derjenigen mit Teilzeittätigkeit deutlich zugenommen: von 8 Prozent im Jahr 2009 auf 36 Prozent im Jahr 2019. Überdies arbeiten immer mehr ambulant tätige Ärzte in einem Angestelltenverhältnis. Im Jahr 2008 waren es 6 Prozent, im Jahr 2019 schon 22 Prozent.
  • Erstmals wurden im Report mehrere Einflussfaktoren auf die Zufriedenheit der Patienten mit der ärztlichen und pflegerischen Versorgung sowie die Frage nach einer Weiterempfehlung untersucht. Insgesamt fallen die Zufriedenheitswerte hoch aus, am besten sind sie in Ostdeutschland, gefolgt von Süddeutschland. Freigemeinnützige Träger schneiden bei der Zufriedenheit mit der pflegerischen Betreuung besser als öffentlich-rechtliche und private Träger ab. Sie punkten auch bei der „Weiterempfehlung“. Der Stadt-Land-Vergleich zeigt: In städtisch geprägten Gebieten fällt die Zufriedenheit mit der ärztlichen Versorgung besser, mit der pflegerischen Betreuung indessen schlechter aus.

Investitionen

  • Die Fördermittel nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) lagen im Jahr 2018 bei 3,04 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr lagen sie damit um 1 Prozent, gegenüber dem Jahr 2016 um 7,4 Prozent höher. Im langfristigen Trend sind sie aber zurückgegangen. Bezogen auf den Krankenhausumsatz beliefen sie sich im Jahr 2018 auf nur 3,4 Prozent (1991: rund 10 Prozent). Zum Erhalt der Unternehmenssubstanz sollten jährlich 7 bis 8 Prozent des Umsatzes in Investitionen fließen. Krankenhäuser schließen diese Lücke zum Teil aus eigener Kraft, was ihnen in jüngster Zeit aufgrund ihrer schwierigeren Ertragslage immer schlechter gelingt. Besonders freigemeinnützige Träger haben ein geringes Sachanlagevermögen.

Projektion

  • Die Gesundheitspolitik legt ein hohes Tempo bei der Reform des Gesundheitswesens vor. Im Durchschnitt wurde in der laufenden Legislaturperiode fast jeden Monat ein neues Gesetz beschlossen. Gegenüber dem Jahr 2018 ist für 2019 in der Summe über alle Maßnahmen der einzelnen Gesetze für Krankenhäuser ein finanzieller Netto-Effekt von etwa null zu erwarten. In diesem Jahr könnten die verschiedenen Stützungsmaßnahmen aus dem COVID-19-Gesetz – Stand 30. April 2020 – zu einem positiven Netto-Effekt führen, der jedoch im Jahr 2021 voraussichtlich größtenteils wieder entfällt, sodass spätestens 2022 wieder das „Normalniveau“ erreicht wird. Für einzelne Krankenhäuser kann der Effekt jedoch sehr unterschiedlich ausfallen.
  • Die Ambulantisierung der Medizin dürfte sich beschleunigen. Die mit dem MDK-Reformgesetz initiierte Überarbeitung des Katalogs „ambulantes Operieren“ und künftig mögliche sektorenübergreifende Vergütungsmodelle dürften neben Fortschritten in der Medizin dazu beitragen. Unter anderem weil die Arbeitsplatzsicherheit im Gesundheitswesen im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbranchen während und nach der COVID-19-Pandemie steigen dürfte, könnte sich der Personalmangel im Krankenhausbereich mittelfristig vorübergehend entschärfen. Langfristig bleiben die mit dem rückläufigen Nachwuchs verbundenen Herausforderungen indessen bestehen.
  • Bei den Fallzahlen ist für dieses Jahr wegen der Verschiebung von elektiven (aufschiebbaren) Fällen ein spürbarer einmaligen Rückgang von mindestens 6 Prozent zu erwarten. Annahme ist, dass nur 50 Prozent der verschobenen Elektivfälle im stationären Bereich dieses und kommendes Jahr nachgeholt werden. Spätestens ab 2022 gehen wir hinsichtlich der Fallzahlen von einer Rückkehr zum Status 2019 aus. Demografisch bedingt dürfte es bundesweit bis zum Jahr 2025 etwa 4 Prozent mehr Fälle geben. Würde das ambulante Potenzial ab 2019 schrittweise gehoben, wäre bis 2030 dagegen kaum noch mit einer Änderung der stationären Fallzahl zu rechnen. Bis zum Jahr 2030 dürfte zudem die Verweildauer weiter zurückgehen, sodass der Bedarf an Krankenhausbetten sinken würde.
  • Bei Fortschreibung des Status quo, eines steigenden Orientierungswertes und einem stärkeren Wachstum der Löhne würde der Anteil der Krankenhäuser im grünen Rating-Bereich von 64 Prozent bis 2025 auf 54 Prozent sinken. Eine vorübergehende wirtschaftliche Erholung könnte in den durch die Pandemie geprägten Jahren 2020 und 2021 zu erwarten sein.

Weitere Trends und Herausforderungen

  • Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, ein Gesundheitswesen so aufzustellen, dass es im Falle eines selten eintretenden katastrophalen Ereignisses die vorhandenen Ressourcen rasch umwidmen und weitgehend unabhängig von anderen Staaten agieren kann. Dazu braucht es konsequent durchdachte Konzepte für verschiedene Katastrophenfälle. Darin muss geklärt sein, wie die knappen Ressourcen des Gesundheitswesens zugeteilt werden, wie das „Katastrophen-Controlling“ erfolgt und welche Versorgungsdaten dazu erforderlich sind, wie Ausfallkonzepte aussehen und wer welche Verantwortung trägt. Darüber hinaus müssen Lieferketten so gestaltet werden, dass sie nicht allein auf einem Zulieferunternehmen und einer Weltregion aufsetzen. Zudem muss es im Katastrophenfall umgehend möglich sein, die heimische Produktion derart umzustellen, dass sie wichtige Güter zur Bewältigung der Katastrophe herstellen kann. Ebenso ist ein deutlicher Ausbau der Telemedizin anzustreben. In all diesen Punkten sollten die Erfahrungen der aktuellen Pandemie für weitere Verbesserungen genutzt werden.
  • Die Gestaltungsfreiheit auf regionaler Ebene sollte erhöht und die Detailregulierung vermindert werden, um innovativen und effizienzsteigernden Versorgungsansätzen einen größeren Raum zu geben. Insbesondere sollten sektorenübergreifende Versorgungs- und Vergütungsmodelle die Ambulantisierung in der Medizin unterstützen. Dazu könnten vor allem in ländlichen Gegenden regionale Gesundheitsbudgets erprobt werden. Für die dazu nötige Anpassung von Versorgungsstrukturen braucht es außerdem Investitionsmittel.

„Spätestens nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 werden die massiven finanziellen Belastungen aus der COVID-19-Pandemie im gesamten Gesundheitswesen zu spüren sein“, sagt RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky. „Umso wichtiger ist es, die Gesundheitsversorgung effizient und demografiefest zu gestalten“, so Augurzky. „Die COVID-19-Pandemie hat der Digitalisierung des Gesundheitswesens einen Schub verliehen, den es zu nutzen gilt“, ergänzt Sebastian Krolop (HIMSS, Healthcare Information and Management Systems Society).

Datengrundlage des „Krankenhaus Rating Report 2020“ sind 515 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2017 und 525 aus dem Jahr 2018. Sie umfassen insgesamt 942 Krankenhäuser mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 71 Prozent.

 

Pflegeheim Rating Report 2020: Deutschen Pflegeheimen geht es trotz großer Herausforderungen noch relativ gut

Die wirtschaftliche Lage deutscher Pflegeheime hat sich zwischen 2015 und 2017 zwar leicht verschlechtert, es geht ihnen aber noch relativ gut. Knapp 4 Prozent lagen 2017 im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, 24 Prozent schrieben einen Jahresverlust. Die Trends zur Ambulantisierung und Privatisierung hielten an, die Personalknappheit ist gestiegen. Durch die Alterung der Gesellschaft ist bis 2030 in Deutschland mit 4,4 Millionen Pflegebedürftigen zu rechnen, das entspricht gegenüber dem Jahr 2017 einer Steigerung von 26 Prozent. Damit verbunden ist ein steigender Bedarf an Pflegepersonal und Kapital. Zu diesen und vielen weiteren Ergebnissen kommt der „Pflegeheim Rating Report 2020“. Er wurde gemeinsam vom RWI und der hcb GmbH in Kooperation mit HIMSS und Curacon sowie mit Unterstützung der Terranus GmbH erstellt.

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Status quo

Die wirtschaftliche Lage deutscher Pflegeheime ist weiterhin relativ gut, hat sich zwischen 2015 und 2017 aber leicht verschlechtert. Im Jahr 2017 befanden sich knapp 4 Prozent im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, 77 Prozent im „grünen Bereich“ mit geringer Insolvenzgefahr und 18 Prozent dazwischen im „gelben Bereich“. Ihre durchschnittliche Insolvenzwahrscheinlichkeit lag mit 0,61 Prozent deutlich niedriger als bei Krankenhäusern. Verschlechtert hat sich auch die Ertragslage: Schrieben 2015 noch 14 Prozent der Pflegeheime einen Jahresverlust, waren es im Jahr 2017 bereits 24 Prozent.

Die wirtschaftliche Situation der Heime war in Sachsen-Anhalt/Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen am besten und in Rheinland-Pfalz/Saarland, Schleswig-Holstein/Hamburg und Bayern am schlechtesten. Heime in Kreisen mit hoher Auslastung schnitten etwas besser ab als in anderen Kreisen. Gleiches gilt für Kreise, in denen es viele Bewohner mit Pflegegrad 4 oder 5 gibt. Andere lokale Umgebungsvariablen spielten dagegen keine große Rolle. 

Immer mehr Pflegebedürftige werden ambulant versorgt, ihr Anteil stieg zwischen 1999 und 2017 von 20,6 auf 24,3 Prozent. Die überproportionale Erhöhung der Pflegesätze der Pflegeversicherung für Leistungen der ambulanten Dienste seit 2008 und der Ausbau der ambulanten Pflege im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze hat die ambulante Pflege gestärkt. Zudem ist die Zahl der Pflegegeldempfänger gestiegen, seit kognitive und geistige Einschränkungen in den Pflegebedürftigkeitsbegriff aufgenommen worden sind. Über die dadurch bedingte einmalige Anpassungsreaktion hinaus handelt es sich bei der Ambulantisierung um einen längerfristigen Trend.

Auch der Trend zur Privatisierung hält an. Der Anteil der Pflegebedürftigen, die in einer privaten Einrichtung versorgt werden, ist weiter gestiegen: in Pflegeheimen im Jahr 2017 auf 38,7 Prozent (1999: 25,4 Prozent) und in ambulanten Diensten auf 51,6 Prozent (1999: 35,6 Prozent). Die Zahl der Plätze in privater Trägerschaft stieg seit 1999 um 127 Prozent. Dabei arbeiten Heime in privater Trägerschaft in Westdeutschland kostengünstiger. Inklusive des Investitionskostenanteils lagen ihre Preise 7 Prozent unter dem westdeutschen Durchschnitt.

Im Pflegebereich herrscht weiterhin Personalknappheit. Zwar sind zwischen 1999 und 2017 348.000 zusätzliche Vollzeitkräfte hinzugekommen. In der ambulanten und stationären Pflege waren damit im Jahr 2017 insgesamt 819.000 Vollkräfte beschäftigt, davon 329.000 Pflegefachkräfte. Trotzdem ist ein zunehmender Mangel an Pflegefachkräften zu beobachten. So lag im Juli 2019 die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in Heimen mehr als doppelt so hoch wie im Juli 2009, im Vergleich zu Juli 2017 stieg sie um 6 Prozent.

Ausblick

Durch die Alterung der Gesellschaft wird der Pflegemarkt weiter wachsen.  Geht man von konstanten Pflegequoten aus, ist bis 2030 in Deutschland mit 4,4 Millionen Pflegebedürftigen zu rechnen, bis 2040 mit 5 Millionen. Das wäre gegenüber 2017 ein Anstieg um 26 bzw. 42 Prozent. Dieser hätte bei Fortschreibung des Status quo einen zusätzlichen Bedarf von 378.000 stationären Pflegeplätzen bis 2040 zur Folge. Die erforderlichen Neu- und Re-Investitionen beliefen sich entsprechend auf 109 Milliarden Euro.

Um die steigende Zahl an Pflegebedürftigen zu versorgen, ist mehr Personal erforderlich. Bis 2040 ist mit insgesamt 184.000 bis 396.000 zusätzlichen Vollzeitkräften in der stationären und mit 107.000 bis 209.000 in der ambulanten Pflege zu rechnen. Bei Fortschreibung der bisherigen Pflegewahrscheinlichkeit entfällt auf Pflegefachkräfte davon bis 2040 ein zusätzlicher Bedarf von 102.000 in der stationären und 64.000 in der ambulanten Pflege.

Gelingt es, die Pflegewahrscheinlichkeit zu reduzieren, reduziert sich auch der benötigte Kapital- und Personalbedarf. Wird zukünftig jedoch mehr professionell gepflegt, erhöhen sich diese noch.

Damit der große Bedarf an Pflegefachkräften gedeckt werden kann, muss die Attraktivität des Pflegeberufs steigen. Ziel muss es sein, die Verweildauer im Pflegeberuf zu verlängern, die wöchentliche Arbeitszeit bei Teilzeitkräften auszuweiten und neue Auszubildende zu gewinnen. Dabei steht die Altenpflege auch im Wettbewerb mit Krankenhäusern.

Zum einen könnten höhere Löhne sowie ein größeres Aufgabenfeld für qualifiziertes Personal den Pflegeberuf attraktiver machen. Zum anderen spielen auch weiche Faktoren eine wesentliche Rolle, z.B. eine gute Führungskultur, gesellschaftliches Ansehen des Berufs, eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, möglichst wenig Bürokratie, Karrieremöglichkeiten sowie die Übernahme von Verantwortung.

Um durch höhere Kosten nicht die Insolvenzgefahr für Pflegeanbieter zu erhöhen, werden die Preise für Pflegeleistungen und damit die Belastung der Pflegebedürftigen steigen müssen. Inwieweit die Beitragszahler noch weiter belastet werden können, hängt von der gesamten Abgabenlast mit Steuern und Sozialabgaben ab.

Darüber hinaus würde Zuwanderung qualifizierter Pflegefachkräfte den Fachkräftemangel lindern und es muss auch in der Pflege über arbeitssparenden Technikeinsatz verstärkt nachgedacht werden. Eine Möglichkeit ist die Nutzung innovativer Technik im Bereich Ambient Assisted Living (AAL). Hier könnte moderne Technologie die Pflegekräfte unterstützen und ihnen mehr Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen zu den Pflegebedürftigen geben.

Auch der wachsende Kapitalbedarf muss gedeckt werden. Neben öffentlichem und freigemeinnützigem Kapital ist hierzu auch privates Kapital nötig. Kapital wird jedoch nur bereitgestellt, wenn es risikogerecht verzinst wird. Die Politik sollte daher die Regulierungsdichte reduzieren und die unternehmerische Handlungsfreiheit ausweiten. So sind zum Beispiel Vorgaben zur Heimgröße oder zum Anteil der Ein-Bett-Zimmer überflüssig. Wichtig ist vielmehr, dass es ein ausreichend großes Angebot an Einrichtungen gibt, die miteinander in einem Preis- und Qualitätswettbewerb stehen. Dazu muss die Pflegequalität leicht verständlich dargestellt werden. Dann können sich die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen das Heim aussuchen, das ihren Präferenzen am besten entspricht und das für sie noch bezahlbar ist. Wenn die Politik indessen restriktive Vorgaben macht, läuft sie Gefahr, dass sie entweder nicht die Präferenzen aller Pflegebedürftigen trifft oder nur zu teure Angebote zulässt.

Die Soziale Pflegeversicherung (SPV) konnte zwar zuletzt ihre Einnahmen deutlich erhöhen. Ihre Kapitalreserven reichen nach aktuellem Stand aber vermutlich nur bis etwa 2029. Langfristig sind daher Anpassungen sowohl an der Einnahmen- als auch Ausgabenseite nötig. Auf der Einnahmenseite wären Maßnahmen sinnvoll, die die Erwerbsquote von älteren Menschen und Frauen weiter steigern. Auf der Ausgabenseite sollte der inzwischen recht steile Wachstumspfad der Ausgaben abgeflacht werden. Dies könnte auch durch Maßnahmen geschehen, die den Pflegebedarf vermeiden und verringern, beispielsweise mehr Prävention, „Reha vor Pflege“ und technische Assistenzsysteme.

 

Krankenhaus Rating Report 2019: Das Ende des Wachstums?

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser war im Jahr 2017 schlechter als im Vorjahr. 12 Prozent lagen im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Auch ihre Ertragslage hat sich verschlechtert, wohl auch aufgrund der erstmals gesunkenen Anzahl stationärer Fälle. Der damit zusammenhängende Handlungsdruck dürfte im nächsten Jahrzehnt weiter steigen. Es ist an der Zeit, statt der bestehenden ambulanten und stationären Vergütungssysteme ganzheitliche Vergütungsmodelle anzustreben. Der eingeschlagene Weg in die Selbstkostendeckung ist allerdings ein Irrweg. Zu diesen und vielen weiteren Ergebnissen kommt die fünfzehnte Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2019 – Medizin und Gesundheit“ in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Er wurde gemeinsam vom RWI, der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte und der HIMSS erstellt.

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Infografik: /template/userfiles/files/Krankenhaus%20Rating%20Report%202019-Flyer.pdf

Status quo

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2017 verschlechtert. 12 Prozent der Krankenhäuser befanden sich im „roten Bereich“ erhöhter Insolvenzgefahr, 81 Prozent im „grünen Bereich“. Im Jahr zuvor lagen noch 7 Prozent im „roten Bereich“ und 84 Prozent im „grünen Bereich“. Die Ertragslage hat sich 2017 ebenfalls verschlechtert: 28 Prozent der Krankenhäuser schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, 2016 waren es nur 13 Prozent.  

Ausschlaggebend für die schlechtere wirtschaftliche Lage dürfte u.a. der Rückgang der stationären Fallzahl im Jahr 2017 um 0,5 Prozent gewesen sein. Gründe hierfür sind wohl u.a. die zunehmende Ambulantisierung, der Personalmangel, ein bereits hoher Sättigungsgrad bei u.a. kardiologischen und orthopädischen Leistungen und intensivere MDK-Prüfungen.

Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine, auch ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating positiv. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schneiden besser ab als öffentlich-rechtliche Kliniken.

Die Krankenhausstrukturen sind nach wie vor in vielen Regionen ungünstig, insbesondere durch hohe Standortdichte, viele kleine Einheiten und eine geringe Spezialisierung. Am schlechtesten fällt das Rating in Niedersachsen/Bremen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg aus, signifikant besser in Ost-Deutschland.

Investitionen

Der Strukturfonds erreicht im Wesentlichen seine Ziele, die Mittel des Strukturfonds reichen jedoch nicht aus, um in Deutschland eine optimale Struktur der Krankenhäuser zu erreichen.

Insofern sind seine Aufstockung und Fortführung sinnvoll. Er hat jedoch Verbesserungspotenzial. So wäre es ordnungspolitisch richtig, dafür Steuermittel statt Mittel aus dem Gesundheitsfonds einzusetzen. Zudem ließe sich durch wettbewerbliche Elemente eine effizientere Verteilung der knappen Fondsmittel erreichen.

Personal

Bei Fortschreibung des Status quo ist bis zum Jahr 2030 eine Nachfrage nach Fachkräften im Gesundheits- und Sozialwesen in Höhe von 4,9 Millionen Vollkräften zu erwarten. Dem stünde ein Arbeitsangebot von 3,6 Millionen Vollkräften gegenüber.

Um diese Diskrepanz zu schließen, sollte u.a. die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen gedämpft und die hohe Teilzeitquote im Gesundheits- und Sozialwesen sowie die steigende Zahl an Frühverrentungen in der Gesamtwirtschaft reduziert werden.

Darüber hinaus muss der Pflegeberuf attraktiver werden. Dazu müssen die Pflegeprofession mehr Verantwortung bekommen und die Pflegenden mit erweiterten Kompetenzen ausgestattet werden. Langfristig sollten außerdem moderne Technik wie Robotikassistenz und künstliche Intelligenz das Personal im Gesundheitswesen entlasten.

Zudem könnte der Fachkräftemangel durch qualifizierte Zuwanderung gemindert werden. Über besonders großes Migrationspotenzial verfügen Asien, Südamerika und teilweise Osteuropa. Dabei geht es nicht nur darum, dass Deutschland die ausländischen Pflegefachkräfte anerkennt, sondern auch darum, dass diese das Jobprofil in Deutschland anerkennen.

Projektion

Die Ambulantisierung der Medizin dürfte sich beschleunigen. Kurz- und mittelfristig ist kein großes Wachstum der stationären Fallzahl zu erwarten. Langfristig dürfte sie aufgrund der demografischen Entwicklung trotzdem weiter zunehmen, bis zum Jahr 2025 um etwa 5 Prozent.

Bei Fortschreibung des Status quo, einer weiterhin hohen Grundlohnrate und einem Wachstum der Löhne wie in der Vergangenheit würde der Anteil der Krankenhäuser im roten Rating-Bereich bis 2025 moderat auf 18 Prozent steigen. Geht man dagegen künftig von einem deutlich geringeren Wachstum der Fallzahlen aus, von einer sinkenden Grundlohnrate und von stark steigenden Löhnen, befänden sich 2025 40 Prozent der Krankenhäuser im roten Rating-Bereich. Würden in diesem Szenario eine Optimierung der Krankenhausstrukturen, Produktivitätsverbesserungen der Krankenhäuser – insbesondere im Zuge einer stärkeren Digitalisierung – und die Ambulantisierung der Medizin vorangetrieben, könnten 2025 demgegenüber nur 21 Prozent der Kliniken im roten Rating-Bereich liegen.

Vergütung

Eine der zentralen Reformbaustellen ist die Veränderung der Vergütungssysteme im Gesundheitswesen. Der jetzt eingeschlagene Weg in die Selbstkostendeckung ist ein Irrweg. Ziel muss vielmehr sein, eine längst überfällige sektorenübergreifende Versorgung und eine stärkere Ambulantisierung der Medizin zu erreichen. Hierzu könnten in so genannten Capitationmodellen für definierte Regionen morbiditätsorientierte Regionalbudgets festgelegt werden, die mindestens die ambulante und stationäre Akutversorgung abdecken. Die Leistungserbringer der Region entscheiden dann eigenständig darüber, wie sie das Regionalbudget einsetzen. Die Bevölkerung kann Leistungserbringer anderer Regionen aufsuchen, falls sie mit der lokalen Versorgung unzufrieden ist.

Zudem gilt es, die unternehmerischen Handlungsfreiheiten auszuweiten und die Innovationsoffenheit im Gesundheitswesen zu stärken. Statt zunehmender Regulierung könnte beispielsweise durch Capitationmodelle die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung auf lokale Akteure übertragen werden. Krankenhäuser würden sich so hin zu Gesundheitsunternehmen entwickeln, die die Gesamtverantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung in ihren Regionen übernehmen.

„Wir brauchen neue sektorenübergreifende Vergütungsmodelle“, sagt RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky. „Zudem muss die bestehende Lücke bei der Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser geschlossen werden, idealerweise mit Investitionen in nachhaltige Krankenhausstrukturen“, so Augurzky. „Ohne Digitalisierung und Zuwanderung ist der Fachkräftebedarf im deutschen Gesundheitswesen nicht zu decken“, ergänzt Sebastian Krolop (HIMSS, Healthcare Information and Management Systems Society).

Datengrundlage des „Krankenhaus Rating Report 2019“ sind 466 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2016 und 84 aus dem Jahr 2017. Sie umfassen insgesamt 877 Krankenhäuser mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 70 Prozent.

 

Krankenhaus Rating Report 2018: Wachsende Personalknappheit gefährdet schon bald Versorgung

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2016 verbessert. Nur noch 7 Prozent der Krankenhäuser befanden sich im Bereich erhöhter Insolvenzgefahr, 84 Prozent im „grünen Bereich“. Im Jahr zuvor lagen noch 9 Prozent im „roten Bereich“ und 79 Prozent im „grünen Bereich“. Die Ertragslage war 2016 ebenfalls gut: Nur 13 Prozent der Krankenhäuser schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust. Das durchschnittliche Jahresergebnis stieg auf 2,8 Prozent der Erlöse, nach 1,8 Prozent im Jahr 2015. Im Jahr 2016 waren zudem 67 Prozent der Kliniken voll investitionsfähig. Trotz guter Ertragslage bleibt die Kapitalausstattung der Krankenhäuser aber weiterhin unzureichend. Ihr jährlicher Investitionsbedarf (ohne Universitätskliniken) beläuft sich auf rund 5,8 Milliarden Euro. Dem stehen Fördermittel der Bundesländer in Höhe von 2,8 Milliarden Euro gegenüber, die jährliche Förderlücke beträgt also 3 Milliarden Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt der vierzehnte „Krankenhaus Rating Report“, den das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und die Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte erstellt haben. Seine Ergebnisse wurden im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2018 – Medizin und Gesundheit“ in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Report basiert auf einer Stichprobe von Jahresabschlüssen, die mehr als 860 Krankenhäuser umfassen.

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Infografik: Kurzinformation Krankenhaus Rating Report 2018

Krankenhausstrukturfonds sorgt weiter für Dynamik auf regionaler Ebene

In den ostdeutschen Bundesländern war die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser auch im Jahr 2016 wieder am besten. Am schwierigsten war sie in Niedersachsen/Bremen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. „Die Krankenhausstrukturen sind nach wie vor in einigen Regionen ungünstig, es gibt eine hohe Standortdichte, viele kleine Einheiten und eine geringe Spezialisierung. Allerdings zeigt sich inzwischen eine positive Dynamik, unter anderem entfacht durch den Strukturfonds“, so Dr. Sebastian Krolop, Leiter Life Sciences & Health Care bei Deloitte. Die Krankenhauskapazitäten haben sich 2016 gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Die Zahl der Krankenhäuser sank um 0,3 Prozent auf 1 951. Die durchschnittliche Verweildauer der Patientinnen und Patienten sank weiter auf unter 7,3 Tage, die Fallzahl stieg um 1,5 Prozent.

Erstmals wurden im diesjährigen „Krankenhaus Rating Report“ Daten der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) analysiert. Als Qualitätsmaß wird auf die (standardisierte) Sterblichkeitsrate zurückgegriffen. Bei kleinen Fallzahlen waren die Ausschläge dieses Maßes sowohl nach oben als auch nach unten deutlich stärker als bei größeren Fallzahlen. Das deutet darauf hin, dass in kleinen Einrichtungen ein gutes oder schlechtes Ergebnis eher dem Zufall geschuldet ist. Die kleinste Fallzahlkategorie hat außerdem manchmal, jedoch nicht immer, einen im Durchschnitt schlechteren Wert als alle anderen Fallzahlkategorien.

Demografischer Wandel wird Engpass an Fachkräften verstärken

In den vergangenen 25 Jahren ist es gelungen, den Personalbestand im Krankenhaus der Leistungsmenge anzupassen. Durch den demografischen Wandel wird in den nächsten Jahren die Zahl der Patienten und pflegebedürftigen Menschen weiter steigen, sodass bei Fortschreibung des Status quo bis 2025 voraussichtlich zusätzlich 80.000 Vollkräfte in den medizinischen Diensten der Krankenhäuser und weitere 80.000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege benötigt werden. Gleichzeitig wird aber die Zahl der Personen zwischen 20 und 65 Jahren kontinuierlich sinken, im Zeitraum von 2015 bis 2025 um 4 Prozent. Entsprechend nimmt der Engpass an Fachkräften deutlich zu und es wird äußerst schwierig werden, den Personalbestand weiterhin in ausreichendem Maße mit der Leistungsmenge anheben zu können. „Arbeitssparende technische Innovationen werden immer wichtiger, um Ärzte und Pflegekräfte zu entlasten“, sagt Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des RWI-Kompetenzbereichs „Gesundheit“. „Darunter fallen zum Beispiel Innovationen aus den Bereichen Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Robotikassistenz, Sensorik, Ambient Assisted Living und Telemedizin. Der derzeitige Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser ist dabei noch äußerst bescheiden“, so Augurzky.

Zudem sollte das Angebot an Pflegefachkräften erhöht werden. Dazu muss mehr Nachwuchs für den Beruf gewonnen, die Anzahl der Berufsrückkehrer erhöht, die Wochenarbeitszeit von Teilzeitkräften ausgeweitet und qualifizierte Zuwanderung forciert werden. Hierzu sind vielfältige Maßnahmen zu ergreifen. So sollte ein Zuwanderungsgesetz erarbeitet, die Attraktivität der Ausbildung und generell der Gesundheitsberufe gesteigert, interessante Karrierewege für Pflegeberufe sowie neue Berufsbilder geschaffen und die gegenwärtigen starren hierarchischen Strukturen aufgebrochen und bürokratische Tätigkeiten abgebaut werden. Die zunehmende Knappheit an qualifizierten Fachkräften wird außerdem zwangsläufig zu einem höheren Lohnniveau führen. Ferner gilt es, die Ambulantisierung der Medizin über Anpassungen am Vergütungssystem zu unterstützen, um auf diese Weise mehr Zeit für die Betreuung stationärer Patienten zu gewinnen.

Einerseits sieht die aktuelle Regierungskoalition einige Maßnahmen vor, die geeignet sind, dieses Bemühen zu unterstützen. Andererseits beabsichtigt sie, durch regulierende Maßnahmen im Bereich der Pflege die Personalknappheit sogar noch zu verschärfen, beispielsweise durch die Einführung von Personaluntergrenzen in Krankenhäusern. Probleme in der Pflege können aus Sicht der Wissenschaftler aber nicht durch noch mehr Regulierung gelöst werden. Stattdessen raten sie dazu, die Pflegequalität der Krankenhäuser für die Patienten transparent zu machen und damit die Bedeutung der Pflege im Krankenhaus aufzuwerten.

Gesundheitsagenda 2025 zeigt Handlungsoptionen auf

Ihre Hausaufgaben für die Politik bündeln die Autoren der Studie in einer Gesundheitsagenda 2025. Sie fordert erstens Antworten auf den zu erwartenden weiter wachsenden Fachkräftemangel. Zweitens sollte das Gesundheitswesen in das digitale Zeitalter überführt werden, unter anderem durch eine standardisierte elektronische Patientenakte, Telemedizin, künstliche Intelligenz und Robotik. Dabei könnte zum Beispiel Robotikassistenz Pflegekräften mehr Zeit für die menschliche Zuwendung ermöglichen. Drittens sollte das Gesundheitswesen durch eine Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses offener für Innovationen werden. Viertens sollte die Lücke bei den Investitionsfördermitteln im Krankenhausbereich geschlossen werden, um auf schwierigere Zeiten in den 2020er Jahre vorbereitet zu sein. Fünftens sollte zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit die Notfallversorgung neu ausgerichtet werden, wozu eine effektive Patientensteuerung gehört. Sechstens sollte die Qualitätstransparenz – auch und gerade sektorenübergreifend – konsequent weiter ausgebaut und für die Patienten zum Beispiel über digitale Angebote nutzbar gemacht werden. Siebtens sollte die sektorenübergreifende Versorgung und die Ambulantisierung der Medizin gefördert werden, wozu Adjustierungen am Vergütungssystem erforderlich sind. Empfohlen werden Vergütungsmodelle mit Qualitätszielen, welche die Gesamtverantwortung für die Versorgung einer Region in eine Hand legen. Damit ließe sich eine sektorenübergreifende Versorgung etablieren, die konsequent am Patientennutzen ausgerichtet ist.

 

Krankenhaus Rating Report 2017: Strukturfonds bringt Dynamik in deutsche Krankenhauslandschaft

Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG), vielleicht die folgenschwerste Reform seit Einführung der DRG, ist in Kraft und entfaltet erste Wirkungen. Eine wichtige Maßnahme des KHSG ist die Einführung des Strukturfonds. Sein Ziel ist es, die Optimierung der Krankenhausstrukturen in Deutschland finanziell zu fördern. Denn jede Kapazitätsbündelung und jede Standortaufgabe zieht hohe Einmalinvestitionen nach sich. Und wer möchte schon neben den erheblichen lokalpolitischen Herausforderungen einer Strukturoptimierung auch noch immense Investitionskosten tragen müssen? Hier leistet der Strukturfonds zumindest auf der finanziellen Seite Abhilfe.

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Der Krankenhaus Rating Report 2017 wirft einen Blick auf den Stand zum Strukturfonds in den Bundesländern. Er untersucht detailliert die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser und schreibt sie in Form von Szenarien mit und ohne Strukturfonds fort. Neu ist die längere zeitliche Betrachtung der vergangenen Veränderungen, sodass sich Trends besser erkennen lassen. Auch zeitunabhängige Zusammenhänge werden im aktuellen Report stärker herausgearbeitet.

 

Weiter geht er unter anderem folgenden Fragen nach:

Wie schneiden die Bundesländer ab? Wie die Trägerschaften? Wie schneiden eigentlich die InEK-Kalkulationshäuser ab? Welche Krankenhäuser wären vom Fixkostendegressionsabschlag betroffen gewesen, wenn es ihn schon früher gegeben hätte? Gibt es berechtigte Unterschiede in den Lohnniveaus der Bundesländer und was bedeutet dies für das DRG-Preisniveau?

Selbstverständlich wagt der Report 2017 auch einen langfristigen Ausblick. Welche Trends werden die Krankenhaus- und Gesundheitsversorgung in Zukunft beeinflussen? Ambulantisierung, Digitalisierung, Automatisierung, Internationalisierung, …? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus? Wie sollte die Politik nach der Bundestagswahl 2017 darauf reagieren und was können Krankenhausunternehmen selbst tun?

Als Grundlage für den 13. Krankenhaus Rating Report dienen wieder über 500 Jahresabschlüsse von rund 900 Krankenhäusern. Diese wurden von den Studienautoren des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Institute for Health Care Business (hcb) analysiert und ihre Beiträge anhand zahlreicher farbiger Schaubilder, Karten und Tabellen veranschaulicht, darunter zahlreiche Benchmarks. Für Krankenhäuser und deren Geschäftspartner, aber auch für Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft – insbesondere Banken und Investoren – bietet der Report wertvolle, empirisch abgesicherte Erkenntnisse über die Entwicklung des Krankenhausmarkts. Der Krankenhaus Rating Report erscheint jährlich jeweils im Juni und analysiert die Bilanzen und die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser.

 

Überblick Krankenhausstrukturen Rheinland-Pfalz und Saarland

Die Krankenhauslandschaft in Rheinland‐Pfalz und im Saarland ist durch einige Besonderheiten charakterisiert. So ist zum Beispiel die Krankenhausdichte im Saarland relativ hoch, Rheinland‐ Pfalz wiederum fällt durch den bundesweit höchsten Landesbasisfallwert auf und zeichnet sich durch viele kleinere Krankenhäuser aus. Weder ein Bundesland noch ein Krankenhaus müssen das Ziel haben, sich in jeder Hinsicht den Durchschnittswerten aller Bundesländer und aller Kran‐ kenhäuser anzunähern. Oft gibt es gute Gründe, sich von anderen Regionen abzuheben. Den‐ noch lohnt der Blick darauf, wo man sich unterscheidet und vor allem, warum man sich vom Durchschnitt unterscheidet: War die besondere Stellung genauso beabsichtigt und ist sie noch zeitgemäß, oder ist sie ungeplant historisch gewachsen? Ist sie sinnvoll oder begründet sie einen dringenden Handlungsbedarf? Diese Studie verfolgt das Ziel, eine größere Transparenz über die Krankenhauslandschaft in den beiden Bundesländern zu schaffen, um Besonderheiten, Heraus‐ forderungen und Potenziale in den Krankenhausmärkten beider Bundesländer identifizieren zu können.

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Überblick Krankenhausstrukturen Rheinland-Pfalz und Saarland 2016.pdf

Executive Summary

Im Folgenden skizzieren wir die wichtigsten Ergebnisse unserer Studie über die Krankenhaus‐ landschaft in Rheinland‐Pfalz und im Saarland. Im Anschluss stellen wir Handlungsempfehlungen zur strukturellen Verbesserung der medizinischen Versorgung und Erhöhung der Wirtschaftlich‐ keit zur Diskussion.

Krankenhausstrukturen Rheinland‐Pfalz

90 Krankenhäuser mit 115 Standorten prägen die rheinland‐pfälzische Krankenhauslandschaft im Jahr 2014, die durch verschiedene Vor‐ und Nachteile gekennzeichnet ist. Zu den wesentlichen Vorteilen für die Patienten gehört, dass die anhand verschiedener risikoadjustierter Faktoren gemessene medizinische Qualität im Vergleich mit dem bundesdeutschen Durchschnitt als gut bezeichnet werden kann. Auch die Erreichbarkeit von Krankenhäusern mit einem Grundversorgungsangebot ist in Rheinland‐Pfalz als gut einzustufen. Entsprechend honorieren Patienten unter anderem diese Vorteile auch mit hohen Werten bei Befragungen zur Zufriedenheit mit der Krankenhausversorgung. Als weiterer Vorteil, der auch gesamtgesellschaftliche Dimensionen hat, ist das überdurchschnittlich hohe Niveau der Ausbildungsaktivitäten in den Krankenhäusern zu werten. Als nachteilig sehen wir an, dass in Rheinland‐Pfalz durch viele kleinere Krankenhausstandorte, die oftmals nicht eindeutig spezialisiert sind, eine relativ hohe Standortdichte gegeben ist. Besonders in den Ballungsgebieten an den Ländergrenzen führt dies zu Doppelstrukturen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Eine Konsequenz aus der hohen Krankenhausdichte bei gleichzeitig unklarer Spezialisierung ist, dass Mindestmengen bei bestimmten medizinischen Eingriffen oft nicht erreicht werden. Insgesamt erscheint uns außerdem das Niveau des Wettbewerbs zwi‐ schen unterschiedlichen Krankenhausträgern niedrig: Annähernd zwei Drittel der Träger in Rheinland‐Pfalz sind freigemeinnützig, private Träger sind praktisch nicht vertreten. Zwar besteht auch Wettbewerb zwischen den vorhandenen Trägern. Er könnte jedoch durch private Träger noch erhöht werden und eine stärker kostensenkende Wirkung entfalten. Darüber hinaus könnte dadurch die Investitionsfähigkeit und ‐bereitschaft im Interesse der Patienten verbessert werden.

Krankenhausinanspruchnahme Rheinland‐Pfalz

Auffällig bei der Krankenhausinanspruchnahme in Rheinland‐Pfalz ist, dass die Zahl der statio‐ nären Fälle je Einwohner altersbereinigt um drei Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt. Gleichzeitig ist auch der Anteil ambulant‐sensitiver Krankenhausfälle überdurchschnittlich. Das könnte mit der relativ schwach ausgeprägten ambulanten Versorgung zusammenhängen, die sich in einer geringen Zahl von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und in einer geringen Facharztdichte zeigt. Entsprechend gering fällt auch die Zahl der ambulanten Operationen aus. Unterdessen werden in den Krankenhäusern überdurchschnittlich viele Leistungen von Belegärz‐ ten abgerechnet. In diesem Licht erscheint uns die Patientensteuerung durchaus verbesserungs‐ würdig zu sein. Parallel zu dieser Entwicklung – hohe Fallzahlen mit einem hohen Anteil ambulant‐sensitiver Fälle – ist eine starke Patientenabwanderung aus Rheinland‐Pfalzzu beobachten. Mit 8,7 Prozent belegt das Bundesland bei den Patientenbewegungen den dritthöchsten Negativ‐Saldo aller Bun‐ desländer. Gleichzeitig weist Rheinland‐Pfalz den bundesweit niedrigsten Schweregrad bei der RWI/hcb 6 Behandlung von Patienten auf: Offenbar entscheiden sich einige Rheinland‐Pfälzer in dem Moment, in dem die stationäre Behandlung einer schwereren Erkrankung ansteht, für einen Krankenhausaufenthalt in einem anderen Bundesland. Aufgrund dieser starken länderübergreifenden Patientenwanderungen und der verbesserungswürdigen Patientensteuerung ist daher eine länderübergreifende Krankenhausplanung anzustreben, wie sie beispielsweise Bremen und Nie‐ dersachsen planen.

Preise und Kostenniveau in Rheinland‐Pfalz

Kein Bundesland hat einen höheren Landesbasisfallwert (LBFW) als Rheinland‐Pfalz. Im Jahr 2016 lag das Preisniveau sechs Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt. Allein mit den sin‐ kenden Investitionsfördermitteln ist dieses hohe Niveau nicht zu erklären. Auch die Kosten je Leistungseinheit („erweitertes Casemixvolumen“1) übertrafen den Durchschnitt um sechs Prozent. Besonders stark zu Buche schlagen nach unseren Berechnungen vor allem die Personalkosten. In der Pflege werden (ebenso wie im Saarland) zehn Prozent mehr Vollkräfte je Leistungs‐ einheit als im Durchschnitt eingesetzt. Heute schon sind die rheinland‐pfälzischen (und saarländischen) Kliniken im Pflegedienst daher weit überdurchschnittlich gut aufgestellt. Die Sachkosten fallen dagegen vergleichsweise niedrig aus, während bei den nicht‐medizinischen Diensten der Einsatz an Vollkräften den Durchschnitt um 26 Prozent übertrifft. Offenbar findet in den rheinland‐pfälzischen Krankenhäusern wenig Outsourcing statt. Eine Verbesserung der Ressour‐ cenallokation in den Krankenhäusern scheint deutlich angezeigt.

Krankenhausstrukturen im Saarland

Die Krankenhausstruktur im Saarland weist mit der in Rheinland‐Pfalz Ähnlichkeiten auf: Die 22 saarländischen Krankenhäuser – darunter nur einesin privater Trägerschaft – mit ihren 26 Stand‐ orten sind sehr gut erreichbar, leisten gute medizinische Qualität und erzielen bei ihren Patienten hohe Zufriedenheitswerte. Die Bettenauslastung liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Im Zeitverlauf wurden mehr Betten als in anderen Bundesländer abgebaut. Wie in Rheinland‐Pfalz ist die Struktur im Saarland aber auch durch viele kleine Standorte geprägt, die zudem nur schwach spezialisiert sind und teilweise die Mindestmengen bestimmter medizinischer Eingriffe nicht erreichen. Die Krankenhäuser weisen sogar einen geringeren Spezialisierungsgrad als jene in Rheinland‐Pfalz auf. Insbesondere im Ballungsgebiet um Saarbrücken haben sich in bestimmten Bereichen Doppelstrukturen herausgebildet. Wie Rheinland‐Pfalz stellt das Land ebenfalls überdurchschnittlich viele Ausbildungsplätze zur Verfügung. Im Saarland sind es sogar die höchsten bundesweit.

Krankenhausinanspruchnahme im Saarland

Die Zahl der stationären Fälle je Einwohner liegt im Saarland altersbereinigt deutlich über dem Bundesdurchschnitt (plus 5,2 Prozent), wobei sich ihr Schweregrad nicht vom Durchschnitt ab‐ hebt. Dennoch werden im Saarland ungewöhnlich viele Operationen und Prozeduren durchgeführt, was auch mit der ungewöhnlich hohen Anzahl an medizinischen Großgeräten korrespondieren könnte. Das Bundesland verzeichnet den höchsten Anteil an Intensivbehandlungen und überdurchschnittlich viele neonatologische Intensivbehandlungen. Darüber hinaus fällt der Anteil an ambulant‐sensitiven Krankenhausfällen überdurchschnittlich hoch aus, wenngleich die ambulante Versorgung im Saarland als gut bewertet werden kann: Es gibtzwar wenige MVZ, aber eine durchschnittliche Hausarztdichte und eine hohe Facharztdichte. Im Bundesvergleich werden                                                              1 Das „erweiterte Casemixvolumen“ umfasst auch Leistungen nach der BPflV. Krankenhauslandschaft Rheinland‐Pfalz und Saarland 7 im Saarland weniger ambulante Operationen geleistet, seit 2008 ist sogar ein deutlicher Rück‐ gang festzustellen.

Preise und Kostenniveau im Saarland

Nach Rheinland‐Pfalz hat das Saarland bundesweit das zweithöchste Preisniveau (Basisfallwert zwei Prozent über dem Durchschnitt). Auch die Kosten je Leistungseinheit übertreffen den Durchschnitt deutlich (plus neun Prozent). Während die Personalkosten relativ hoch sind, schla‐ gen die Kosten für Ambulanz, Forschung und Lehre vergleichsweise weniger zu Buche. Die detaillierte Kostenbetrachtung zeigt, dass medizinisches Personal im Saarland (wie auch in Rhein‐ land‐Pfalz) teurer ist alsim Bundesdurchschnitt („Preiseffekt“). Außerdem werden deutlich mehr Pflegekräfte (plus zehn Prozent) und deutlich mehr Vollkräfte im nicht‐medizinischen Bereich (plus 24 Prozent) eingesetzt. In der Summe erklärt dies die hohen Personalkosten. Anders als in Rheinland‐Pfalz liegen die Sachkosten jedoch nicht unter dem Durchschnitt, sondern genau im Durchschnitt. Der hohe Personaleinsatz im nicht‐medizinischen Bereich im Saarland zeigt, dass kostensenkende Möglichkeiten zum Outsourcing vermutlich seltener genutzt werden. Insgesamt kann der Schluss gezogen werden, dass keine optimale Kombination der einzelnen Dienstarten vorliegt.

Wirtschaftliche Lage und Investitionen in Rheinland‐Pfalz und im Saarland

Die betrachteten Bundesländer, die hier aus statistischen Gründen nur gemeinsam untersucht werden konnten, belegen die ersten zwei Spitzenplätze bei den Landesbasisfallwerten. Doch das hohe Kostenniveau und zum Teil die fehlenden Investitionsmittel „fressen“ in beiden Bundesländern die hohen Landesbasisfallwerte wieder auf. Im bundesweiten Vergleich der Ausfallwahrscheinlichkeit liegen Rheinland‐Pfalz und das Saarland deshalb nur im Mittelfeld. Was die Investitionsfördermittel der Länder angeht, liegt das Niveau in Rheinland‐Pfalz im Durchschnitt, im Saarland darunter. Insgesamt ist das Sachanlagevermögen in beiden Ländern schon stark abgeschrieben. Beim Einsatz an Sachanlagevermögen in Relation zu den Gesamterlösen liegen die beiden Länder im bundesweiten Vergleich auf dem vorletzten Platz. Die Investitionskraft der Krankenhäuser in Rheinland‐Pfalz und im Saarland muss daher gestärkt werden.

Ausblick: zum Teil gute Ausgangslage, aber mit Verbesserungspotenzial

Beide Bundesländer sind in einigen Dimensionen gut aufgestellt: Sie verfügen über überdurch‐ schnittlich viele Pflegekräfte, tun sich durch hohe Ausbildungsaktivitäten hervor und schneiden bei der messbaren medizinischen Qualität gut ab. Im Bereich von Pflege und Ausbildung scheint deshalb kein weiterer unmittelbarer Handlungsbedarf angezeigt. Außerdem besteht eine gute Erreichbarkeit der Krankenhäuser mit Grundversorgungsangebot.   Verbesserungspotenziale sind aber in beiden Ländern vorhanden. Eine stärkere Schwerpunktbildung und Spezialisierung würden die Versorgungsqualität begünstigen und könnte helfen, knapper werdende Fachkräfte zu halten bzw. zu gewinnen. Sie könnten überdies die Wirtschaft‐ lichkeit verbessern – gerade im Saarland, das demografiebedingt mit stagnierenden Patientenzahlen rechnen muss, weil die Alterung der Bevölkerung schon weiter fortgeschritten ist als im bundesweiten Vergleich. Aber auch klug eingesetzte Investitionen verbessern die Wirtschaftlich‐ keit sowie die Qualität der Krankenhausversorgung. Dazu sind die Investitionsfördermittel der Länder zu erhöhen sowie die Mittel des Strukturfonds zu nutzen. Grundsätzlich müssen in ländlichen Regionen die sektorenübergreifenden Angebote gestärkt und ausgebaut werden. Sie schaffen eine patientenfreundlichere Versorgung und können einen Beitrag dazu leisten, die RWI/hcb 8 ländliche Versorgung weiterhin zu sichern. Eine effizientere Patientensteuerung würde es darüber hinaus ermöglichen, besser als bisher die richtige Einrichtung für den Patienten zu finden. Die folgende Übersicht gibt einen Überblick über Maßnahmen, die diese Potenziale ausschöpfen könnten.

 

 

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